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19. März 2026 | 06:00 Uhr
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Hilfe-zur-Pflege erreicht ambulant Gepflegte nur selten

Hunderttausende Pflegebedürftige in häuslicher Versorgung erhalten trotz Anspruch keine Sozialhilfe. Laut der Studie "Pflegearmut" des Rechtswissenschaftlers Thomas Klie (Foto) im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbands bekommen nur rund 76.000 von etwa 390.000 Berechtigten die "Hilfe zur Pflege". Besonders auffällig sind regionale Unterschiede. Der Verband fordert eine einheitliche Umsetzung der Leistungen und ruft Politiker zum Handeln auf.

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Thomas Klie (70) ist Rechtswissenschaftler und bezeichnet sich selbst als "exponierten Sozialexperten"  

Rund 4,9 Millionen Menschen werden in Deutschland zu Hause gepflegt. Nach Berechnungen der Studie hätten etwa 390.000 von ihnen Anspruch auf "Hilfe zur Pflege", weil eigene Mittel und Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen. Tatsächlich erhalten jedoch nur rund 76.000 diese Unterstützung, das sind rund 20 Prozent. Die Berechnungen basieren auf Modellrechnungen mit Daten des Statistischen Bundesamts zur Grundsicherung.

Gründe sind Unwissen, Scham und Behördenpraxis
Als Ursachen nennt die Studie von Klie, der unter anderem als Justiziar der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) arbeitet: fehlende Information, Scham sowie mangelnde Beratung. Hinzu kommen unterschiedliche Verwaltungspraxen der Sozialämter. Diese führen laut Paritätischem dazu, dass die Ämter die Anträge der anspruchsberechtigten Pflegebedürftigen nicht oder nur verzögert umsetzen.

Am schlechtesten ist die Hilfe-zur-Pflege-Bilanz im Saarland
Die Studie zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Im Saarland nimmt nur etwa jede zehnte berechtigte Person die Leistung in Anspruch. In Sachsen-Anhalt ist es jede fünfte, in Hamburg mehr als jede dritte. "Derzeit entscheidet die Postleitzahl darüber, wie gut Pflegebedürftige zu Hause unterstützt werden", sagt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Joachim Rock. Der Paritätische fordert eine flächendeckende Umsetzung der gesetzlichen Ansprüche. Außerdem plädiert der Verband für eine solidarische Pflegevollversicherung, um Versorgungslücken und Pflegearmut zu verringern.

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